In einer kalten Frühlingsnacht im portugiesischen Norden fuhren wir mit drei Fischern aufs Meer. Wir hatten sie am Vorabend zufällig getroffen und gefragt, ob sie uns mitnehmen würden. Um vier Uhr morgens standen wir am Dock. Man gab uns Gummistiefel und Öljacken. Wir verstanden kein Wort von dem, was die drei Seeleute an ihren Zigaretten vorbei nuschelten. Fünf Stunden schwankten wir zwischen Euphorie über das tiefdunkle Wasser und Seekrankheit – und mit den ersten Sonnenstrahlen kamen wir wieder im Hafen an.
Wie diese Nacht ist O DYS SEE eine Fahrt ins Ungewisse. Man schwankt zwischen Euphorie und Orientierungslosigkeit, zwischen schweren dunklen Wellen und der Ruhe des immer heller werdenden Horizonts.
Die Installation dreht sich um das, was die Sehnsucht mit Schönheit macht – und mit der Zeit. In den Wallfahrtsstätten Portugals brennen Wachskerzen in Form von Körpern, Organen, Häusern: jede Kerze ein Gebet, eine Sehnsucht, die sich in die Flamme gibt. Wir ließen uns davon leiten und gossen unsere Sehnsucht nach dem Schönen in Wachs – die Nike, Rodins Hände, den Kuss. Statuen, die aus digitalen Museumsarchiven ins Analoge zurückgeholt wurden, nur um zu schmelzen.
Wachsskulpturen in einem verspiegelten Aquarium bilden das Zentrum des Raumes, umgeben von Videoprojektionen ihres langsamen Zerfalls. Im Glas vermischen sich die Reflexionen der riesigen, sich auflösenden Statuen mit den Silhouetten ihrer kleinen Pendants. Was zurückbleibt, ist kein Ende – sondern der Augenblick kurz davor, wenn die Form noch lesbar ist, aber bereits aufzugeben beginnt.
Installation:
Benjamin & Elisabeth Geyer
GEFÖRDERT DURCH:
die Initiative Musik gemeinnützige Projektgesellschaft mbH im Rahmen von Neustart Kultur mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
besonderen Dank an:
Diogo Tudela, Ricardo Megre
Ausgestellt:
PANORAMA | Porto | Sept'23
Moon Exhibition | Porto | Nov'23
als Teil der KUNST & MUSIK Tour von Benshi | Nürnberg, Hof, Ludwigsstadt, Würzburg, Rosenheim | Dez'23